0011-26

ANDREAS-SALOME, Lou.

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift.
Deutsche und russische Handschrift in schwarzer Tinte und hellblauem Stift auf Papier. 1 Faltblatt, 21,4 x 13, 5 cm (gefalt.). An den Rändern leicht gebräunt, am oberen rechten Rand mit mod. Bleistiftvermerk, untere linke Ecke mit Bleistiftnummer.

Eigenhändiger Brief Lou Andreas-Salomés (1861-1937) aus den Wochen vor dem Kennenlernen mit Rainer Maria Rilke. Der vorliegende Brief ist wohl an den russischen Kritiker und Kunsthistoriker Akim Volynskij (auch Wolynski, zuvor: Chaim Leibowitsch Flekser; 1863-1926) adressiert und stammmt vermutlich vom März oder frühen April 1897. Andreas-Salomé schickte den undatierten Brief vom St. Petersburger „Hôtel Dagmar, Cagobad 9 [heute: Sadovaya ulitsa, 9]“ ab und schreibt: „Ich bin morgen (Freitag) Abend von 8 Uhr an ganz frei, - wollen Sie dann herkommen? Vielleicht können wir noch etwas unternehmen? Mit herzlichem Gruß, ????? ?????????? [??? ?????? = Louise Gustavovna (von Salomé), Lou Andreas-Salomé]. Andreas-Salomé besuchte im Frühjahr 1897 zunächst ihre Familie in St. Petersburg, verbrachte danach ein paar Tage in Berlin bei ihrem Ehemann, bevor sie Ende April nach München reiste und dort am 13. Mai 1897 Rainer Maria Rilkes ersten Brief erhält. Der vorliegende Brief enthält alle Adressen Andreas-Salomés aus dem Frühjahr 1897: Direkt unter der Nachricht an Volynskij ist in blauem Buntstift ihre Berliner Adresse notiert: „Berlin=Schmargendorf Frau Lou Andreas-Salomé“, auf der Rückseite des Faltblattes folgt dann ihre Münchner Adresse: „München Pension Quitorp, Schellingstraße 72, Quistorp 24/12 April-15/3 Juni […]“, an dieser Adresse besucht Rilke sie auch im Mai 1897 bevor sie gemeinsam im Juni nach Wolfratshausen weiterziehen. Vermutlich in Wolfratshausen lernte Rainer Maria Rilke dann auch Akim Volynskij kennen, eine Photographie gemeinsam mit Lou Andreas-Salomé ist im Deutschen Literaturarchiv Marbach erhalten (siehe: Ulrich Schmid: Rilkes und Tolstojs nicht-christliche Kunstreligionen, in: Dirk Kemper, Ulrich von Bülow, Jurij Lileev (Hg.) Kulturtransfer um 1900 Rilke und Russland, München 2020, S. 188). Vergleiche zu Lou Andreas-Salomés Reisen im Frühjahr/Sommer 1897: Cornelia Pechota, Jesus als Jude. Lou Andreas-Salomés Aufsatz Jesus der Jude und Rilkes Christus-Visionen in: Rilke und das Judentum. 100 Jahre „Duineser Elegien“. Im Auftrag der Rilke-Gesellschaft herausgegeben von Torsten Hoffmann, Moira Paleari und Erich Unglaub, Göttingen 2024, S. 69-75).


EUR 2000.00